
Trieste, through its writers
Die habsburgisch-adriatische Stadt von Joyce, Svevo und Saba, am besten im Oktober und November zu lesen, wenn die Bora weht und sich die Cafés halb leeren.
Foto: Daniel Sessler / Unsplash
Warum dieser Ort
Zwei Jahrhunderte lang unterstand die Stadt Wien, nicht Rom. Triest war von 1719 bis 1918 der Haupthafen des Habsburgerreichs und bleibt bis heute die östlichste italienische Stadt, eingeklemmt zwischen dem Karst-Plateau und der Adria am Kopf ihres eigenen Golfs, zwanzig Kilometer von der slowenischen Grenze und historisch weit entfernt vom übrigen Italien. Italienisch wurde sie 1920, nach der Auflösung Österreich-Ungarns; danach besetzte die Wehrmacht sie, dann jugoslawische Truppen, dann eine alliierte Militärregierung bis 1954. Nur wenige europäische Städte mussten so intensiv über Zugehörigkeit nachdenken. Die volksetymologische Herleitung des Namens von *triste* (traurig) ist falsch, aber nützlich: Die Stadt hat eine Literatur der Melancholie und Selbstbefragung hervorgebracht, die es so auf der italienischen Halbinsel nicht noch einmal gibt, und bringt sie weiterhin hervor.
Joyce unterrichtete hier von 1904 bis 1915 Englisch und begann *Ulysses* in einer Wohnung nahe der Piazza Hortis. Sein engagiertester Schüler war ein örtlicher Versicherungsdirektor namens Aron Ettore Schmitz, der unter dem Namen Italo Svevo schrieb und der italienischen Literatur 1923 *La coscienza di Zeno* schenkte. Umberto Saba führte die Antiquariatsbuchhandlung in der Via San Nicolò, die noch heute seinen Namen trägt, und schrieb den *Canzoniere* über vierzig Jahre der Umbrüche der Stadt hinweg. Rilke verbrachte den Winter 1911–12 auf dem Schloss auf den Klippen westlich der Stadt und schrieb dort die ersten beiden *Duineser Elegien*. Und Magris schreibt noch immer, lebt und veröffentlicht im *Corriere della Sera*, die meisten Vormittage am selben hinteren Tisch des Caffè San Marco.
Diese Seite ist speziell für den Herbst geschrieben. Das sommerliche Triest gehört einer anderen Art von Besucher.
Beste Reisezeit
Oktober und November, und nur Oktober und November. Die Bora, der kalte Nordostwind, der vom Karst hinter der Stadt durch die Piazza Unità trichtert, frischt ab Mitte Oktober auf; die Adria-Riviera schließt ihre Läden, und die Cafés lichten sich zu einem regelmäßigen Publikum. Die literarische Stadt wird lesbar. Das Licht im November, tief und klar über dem Golf, ist das, was die Schriftsteller beschrieben. Dezember und Anfang Januar sind angenehm, sofern man den Weihnachtsmarkt auf der Piazza Sant'Antonio in Kauf nimmt. Von Februar bis April ist die Bora am stärksten, und die Stadt stemmt sich eher dagegen, als zu begrüßen. Mai und Juni bringen gutes Wanderwetter und den jährlichen Höhepunkt des Kreuzfahrtverkehrs, bis zu drei große Schiffe an einem einzigen Morgen im Hafen. Juli, August und September gehören dem Meer und dem umliegenden Karst. Ein literarischer Besuch in diesen Monaten wird nicht an die Prosa anknüpfen, um die diese Seite aufgebaut ist.
Anreise
Man kommt am Bahnhof Trieste Centrale an und tritt direkt an die Uferpromenade: ein Kopfbahnhof aus der Habsburgerzeit, der noch immer seinen Dienst tut, zehn Gehminuten von der Piazza Unità entfernt. Trenitalia-Regional- und Frecciarossa-Verbindungen führen nach Venedig (rund zwei Stunden), Mailand (rund fünf Stunden über Venedig oder Tarvisio) und Rom (sechseinhalb Stunden direkt mit dem täglichen Frecciarossa). Die historische Achse verläuft dagegen nach Norden. Die Wien-Linie über Villach, Tarvisio und Udine begründete das Handelsleben der Stadt, und der ÖBB-Nachtzug aus Wien bedient sie noch immer dreimal wöchentlich. Von Slowenien aus queren die Verbindungen Sežana und Villa Opicina den Karst. Das Stadtzentrum ist von einem Ende zum anderen fußläufig; das städtische Busnetz von Trieste Trasporti erreicht die Karstdörfer und Miramare, und die historische Straßenbahn Triest–Opicina befindet sich 2026 noch in langwieriger Restaurierung (vor Verlass darauf bei TT prüfen). Die meisten Ankommenden brauchen keinen Mietwagen.
- Nächster Bahnhof
- Trieste Centrale
- Ab Knotenpunkt
- Venedig, Mailand, Wien (über Villach), Ljubljana · 2 h
- Auto vor Ort nötig
- Nein
- Zentrum autofrei
- Ja
- Anreise per Fähre
- Ja
Übernachten
Im Borgo Teresiano übernachten, dem Straßenraster aus dem achtzehnten Jahrhundert zwischen Kanal und Bahnhof, nicht entlang der Riva. Das Grand Hotel Duchi d'Aosta belegt den südlichen Rand der Piazza Unità in einem Palazzo aus dem neunzehnten Jahrhundert und ist die zentrale historische Adresse der Stadt. Das Savoia Excelsior Palace an der Riva del Mandracchio ist das größere Belle-Époque-Hotel, in dem der mitteleuropäische Handelsstand bis 1918 nächtigte; es vermietet noch immer an dieselbe Art von Reisenden. Das Hotel Continentale im Straßenraster des Borgo Teresiano ist ein kleineres, familiengeführtes Haus im mittleren Preissegment. Das Hotel Vis à Vis ist eine zeitgenössische Boutique-Unterkunft nahe dem Teatro Romano. Für eine literarische Basis liegen die Zimmer über dem Caffè Tommaseo und die kleineren pensioni in Cavana fünf Minuten vom Museumskomplex LETS entfernt. In den Herbstmonaten gibt es reichlich freie Kapazitäten. Wer im Mai oder September bucht, sollte die Tage der Kreuzfahrtankünfte meiden.
Essen & Trinken
Die triestinische Küche ist habsburgisch-slawisch-italienisch, was heißt, dass sie eigentlich gar keine italienische Küche ist. Die morgendlichen gnocchi di susine, pflaumengefüllte Kartoffelklöße mit Semmelbröseln und Butter serviert, sind ein österreichisches Erbe. Jota (der Bohnen-, Sauerkraut- und Schweinefleischeintopf) und gulasch stehen auf den meisten herbstlichen Speisekarten neben der regionalen Pasta; putizza und presnitz sind die beiden Rollgebäcke der Stadt aus Walnuss und Trockenfrucht. Das kanonische Mittagessen ist Buffet da Pepi, nahe der Piazza della Borsa, das seit 1897 bollito misto vom selben Tresen serviert. Für abendlichen Fisch aus dem Golf sind Trattoria al Bagatto und Pesarino die besseren Wahlen, und Antica Trattoria Suban, am östlichen Hang über der Stadt, bewahrt die habsburgisch-triestinische Küche seit 1865 (vorab prüfen, ob noch geöffnet). Oben auf dem Karst-Plateau öffnen die osmizze, Hofkeller slowenischer Tradition, durch eine ans Tor gehängte frasca (einen Zweig) angezeigt, saisonal und schenken Vitovska, Malvasia Istriana und den ungewöhnlichen Rotwein Terrano aus.
Sehen & Erleben
Auf der Piazza Hortis am LETS (Museo della Letteratura a Trieste) beginnen, wo das Joyce-Museum und das Svevo-Museum inzwischen ein gemeinsames Gebäude teilen; zusammen füllen sie einen aufmerksamen Vormittag. Beim Verlassen steht die Svevo-Statue im Rücken, und die Joyce-Statue liegt zehn Gehminuten nördlich, auf dem Ponterosso über dem Canal Grande. Zwischen beiden liegt die Libreria Antiquaria Umberto Saba in der Via San Nicolò 30b, dienstags bis samstags geöffnet und noch immer ein echtes Antiquariat. Dort ein Buch kaufen, dann an Sabas eigener Statue weiter unten in derselben Straße vorbeigehen. Wenige Minuten entfernt, in der Via Madonna del Mare 13, bewahrt das Museo Petrarchesco Piccolomineo die illuminierten Kodizes und frühen Druckwerke, die Domenico Rossetti der Stadtbibliothek 1842 hinterließ, nur von der Cornell-Sammlung übertroffen und in den 1930er-Jahren um Handschriften aus Sabas Laden erweitert. Freier Eintritt; Öffnungszeiten prüfen.
Einen Nachmittag dem Caffè San Marco in der Via Battisti widmen; Magris arbeitet an den meisten Vormittagen an einem hinteren Tisch, und die hauseigene Buchhandlung führt den literarischen Backkatalog der Stadt. Die Stadt bewahrt darüber hinaus einen Rundgang historischer Cafés: das Caffè degli Specchi auf der Piazza Unità, das Antico Caffè Torinese, und am Largo Barriera Vecchia die Pasticceria Pirona, gegründet 1900, wo Joyce in den Jahren, als er Ulysses begann, Stammkunde war und wo presnitz, putizza und pinza noch immer hergestellt werden. Die Risiera di San Sabba, im südlichen Vorort San Sabba, ist das einzige NS-Lager mit Krematorium auf italienischem Boden und der Ort, an dem der slowenisch-triestinische Schriftsteller Boris Pahor in seinen Büchern lebte. Es ist ein ernster Besuch, kein pittoresker. Für die andere Hälfte dieser Geschichte hat das Narodni Dom in der Via Fabio Filzi 14 eine Dauerausstellung zum multifunktionalen Gebäude der slowenischen Gemeinschaft von 1904–1920.
Westlich der Stadt folgt der Sentiero Rilke dem Klippenrand von Sistiana bis zum Schloss Duino in rund anderthalb Stunden, die Adria zweihundert Meter darunter; die ersten beiden Duineser Elegien entstanden in den Räumen darüber. Der Weg führt durch das 107 Hektar große Naturschutzgebiet Falesie di Duino, wo Wanderfalken nisten. Danach mit dem Stadtbus hinauf nach Opicina oder Sgonico fahren, zum Karst-Plateau, wo Scipio Slataper mit Il mio Carso sein Argument über die triestinische Identität entwickelt und die herbstliche osmizze-Saison durch Oktober und November läuft. Wenn die Bora kräftig weht, und das wird sie, hat das Museo della Bora in der Via Belpoggio aus dem Wind selbst eine Sammlung gemacht; geführt, nach Vereinbarung. Das Museo Revoltella, aus dem Vermächtnis von Baron Pasquale Revoltellas Palast und Sammlung, füllt einen längeren Nachmittag.
Respekt
Die Bewohner nehmen das literarische Erbe ernst, weil die Schriftsteller hier keine Abstraktionen sind. Svevo starb 1928, Saba 1957, Pahor 2022 im Alter von 108 Jahren, und Magris lebt und arbeitet noch. Magris im Caffè San Marco nicht fotografieren; er ist ein arbeitender Schriftsteller an einem gewohnten Tisch, kein Ausstellungsstück, und die Cafés werden freundlich, aber bestimmt bitten, das Telefon wegzustecken. Die Risiera di San Sabba ist eine versiegelte Gedenkstätte, keine Kulisse für Porträts, und das kleine Museum verlangt dieselbe Stille, die man einem Soldatenfriedhof zubilligen würde. Die slowenische Minderheit in der Provinz Triest zählt rund fünfzigtausend Menschen und unterhält eigene Schulen, Zeitungen und Theater; zweisprachige Beschilderung in San Dorligo della Valle/Dolina und Sgonico/Zgonik ist ein verfassungsmäßiges Recht, keine touristische Verzierung. Bei den osmizze gilt eine einfache Regel: am langen Tisch sitzen, den die Familie deckt, mindestens eine Flasche des probierten Weins kaufen und nicht feilschen. Etwas Italienisch sprechen, mindestens buongiorno und grazie; auf dem Karst wird ein *dober dan* oder *hvala* bemerkt.
Praktische Hinweise
- Sprache: Italienisch; triestinischer Dialekt bei älteren Bewohnern; Slowenisch weit verbreitet auf dem Karst-Plateau und in den südlichen Vororten; Englisch im touristischen Kontext und in den Museen
- Währung: Euro
- Steckdose: Europäischer Typ F/L
- Geld: Geldautomaten im gesamten Zentrum; Karten werden in Restaurants, Hotels und Museen akzeptiert, Bargeld ist bei den osmizze und an kleineren Buffet-Theken nützlich
- Mobilfunk: Der Mobilfunkempfang ist in der ganzen Stadt und auf dem Karst stabil
- Nächstes Krankenhaus: Ospedale di Cattinara (voll ausgestattet, am südlichen Hügel) und Ospedale Maggiore (im Zentrum)
Gut zu wissen
Wie kommt man mit dem Zug nach Triest?
Man kommt am Bahnhof Trieste Centrale an, einem Kopfbahnhof aus der Habsburgerzeit an der Uferpromenade, zehn Gehminuten von der Piazza Unità entfernt. Trenitalia verbindet Venedig in rund zwei Stunden, Mailand in rund fünf und Rom in sechseinhalb Stunden mit dem täglichen direkten Frecciarossa; der ÖBB-Nachtzug aus Wien verkehrt dreimal wöchentlich. Das Zentrum ist von einem Ende zum anderen fußläufig, und Stadtbusse erreichen die Karstdörfer und Miramare.
Wann ist die beste Reisezeit für Triests literarische Seite?
Oktober und November, und nur dann, für die literarische Stadt: Die Bora frischt ab Mitte Oktober auf, die Adria-Riviera schließt ihre Läden, und die Cafés lichten sich zu einem regelmäßigen Publikum, mit tiefem, klarem Novemberlicht über dem Golf. Mai und Juni bringen den jährlichen Höhepunkt des Kreuzfahrtverkehrs, bis zu drei große Schiffe an einem Morgen, und Juli bis September gehört eher dem Meer als der Prosa.
Welche Küche ist typisch für Triest?
Die triestinische Küche ist habsburgisch-slawisch-italienisch: gnocchi di susine, pflaumengefüllte Klöße, jota, der Bohnen-, Sauerkraut- und Schweinefleischeintopf, gulasch und die Rollgebäcke putizza und presnitz aus Walnuss und Trockenfrucht. Das kanonische Mittagessen ist Buffet da Pepi, das seit 1897 bollito misto serviert. Auf dem Karst-Plateau öffnen die osmizze, Hofkeller, durch einen ans Tor gehängten Zweig angezeigt, saisonal und schenken Vitovska, Malvasia Istriana und Terrano aus.
Warum Triest wegen seiner Schriftsteller besuchen?
Triest war von 1719 bis 1918 der Haupthafen des Habsburgerreichs, und seine Geschichte umstrittener Zugehörigkeit brachte eine Literatur der Melancholie hervor, die es in Italien so nicht noch einmal gibt. Joyce unterrichtete hier und begann Ulysses; sein Schüler Italo Svevo schrieb La coscienza di Zeno; Umberto Saba führte die Buchhandlung, die noch immer seinen Namen trägt; Rilke begann in der Nähe die Duineser Elegien; und Claudio Magris schreibt noch immer im Caffè San Marco.
Weitere Orte, die man kennen sollte.
Sanremo
Jugendstil-Villen und die steigenden Gassen von La Pigna, wenige Halte hinter der italienischen Grenze an der Rivierabahn.

Suwalszczyzna
Polens wilder Nordosten: tiefster See des mitteleuropäischen Tieflands, Eiszeit-Landschaftspark, verlorenes Jatwinger Grenzland — per Rail Baltica erreichbar.

Telč
Ein vollständiger Renaissance-Marktplatz, gespiegelt in drei Teichen — am schönsten, wenn die Tagesreisebusse abgefahren sind und die Arkaden verstummen.
- field_notes
Dubrovnik without the cruise ships: the quiet Adriatic, top to bottom.
Dubrovnik alternatives along the same sea: Venetian Koper, grand Trieste, lagoon-town Comacchio, mosaic-filled Ravenna and the complete brick walls of Corinaldo — most of them on one regional rail line.
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Ljubljana to Trieste and down the Adriatic: the Karst door.
Villa Opicina is the second Trieste door: two regional trains a day from Ljubljana, a tram that came back after nine years, and a trunk that runs down the Adriatic to the sheep roads of Abruzzo.
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Vienna to Ravenna by train: Italy's Carinthian door.
A twelve-month editorial program built around the seven railway crossings into Italy. The first door opens at Tarvisio Boscoverde and the trunk runs all the way to Ravenna.